Geschichte Cammer
Als urkundliche Ersterwähnung von Cammer darf wahrscheinlich die Nennung einer Brauerin namens Katharina de Camere im „Schöppenbuch der Stadt Treuenbrietzen“ gelten, die bei ihrem Tod 1333 alle Güter ihrer Tochter gleichen Namens vermachte. Bei dem Personennamen de Camere handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Herkunftsnamen.Dabei ist davon auszugehen, dass es sich dabei um dieses Cammer handelt. Reinhard E. Fischer nimmt einen übertragenen Ortsnamen an, höchstwahrscheinlich von Ter Kameren, La Cambre, einem Zisterzienserinnenkloster in der Gemeinde Ixelles/Elsene in der Region Brüssel-Hauptstadt (Belgien). Ter Kameren wurde 1208 zum ersten Mal urkundlich erwähnt.
Eine mögliche Zwischenstation der Übertragung war vielleicht Kamern im Landkreis Stendal (Ersterwähnung: 1354). Die Etymologie des Ausgangsortes Ter Kameren gehört zum mittelniederländischen „Kamer f.“, das unter anderem die Bedeutung „Hütte, kleines Haus“ besaß. Das feminine Geschlecht des Namens stimmt mit dem des niederländischen Ausgangsortes überein. Falls diese Erklärung zutrifft, müsste eigentlich bei Cammer in der weiblichen Form, also von „die Cammer“ gesprochen werden.
Vorgeschichte von Cammer
Sicher gab es hier jedoch vor über 2.000 Jahren eine Ansiedlung. Immer wieder wurden rund um Cammer Urnengräberfelder gefunden.
Sowohl die Bauern als auch die Forstarbeiter fanden einzelne Urnen, Gegenstände, wie Feuersteine und aus Knochen gefertigte Geräte.
1926, 1961, 1965 und 1966 gab es umfangreiche Ausgrabungen bei und in Cammer. Das Gräberfeld wurde für die Zeit zwischen 100 Jahre v. Chr. und 150 Jahre n. Chr. datiert.
Besitzgeschichte von Cammer
Das Dorf wurde wahrscheinlich um 1200 im Zuge des Landesausbaus der Zauche angelegt. Im Jahre 1375 gehörte das Rittergut Cammer zum Besitz des Wichard von Rochow auf Golzow . Im Jahre 1578 kam das Rittergut Cammer an die Familie von Arnim. Im Jahre 1579 wird ein Rittersitz in Cammer erwähnt. Dieser befand sich an der ehemaligen Burgstelle. Im Jahre 1609 kauften die Herren von Broesigke den Rittersitz, den sie bis 1945 besaßen. Einer der ersten Broesigkes waren Eustachius und nachfolgend Tobias. Sein Sohn und weitere Vertreter derer von Broesigke auf Cammer begannen ihre Karrieren dann auf der Ritterakademie am Dom zu Brandenburg.
Friedrich von Broesigke (1731–1790) war dort und ging dann zum Studium, war Geheimer Kriminalrat und Domherr zu Magdeburg.
Friedrich jun. von Broesigke wurde Ritter des ehrwürdigen Johanniterordens. Er starb 1832 auf der Dominsel Brandenburg. In der übernächsten Generation folgte der Sohn des Gutsherrn Rudolf Friedrich, Maximillian, der wiederum zum Militär ging und den Dienstrang Major erreichte. Albert von Broesigke (1797–1867) errichtete in Cammer 1829 den herrschaftlichen Neubau, nachdem das alte Gutshaus mit den gesamten Wirtschaftsgebäuden bei einem Brand zerstört worden war. Das erstmals 1879 publizierte Generaladressbuch der Gutsbesitzer für Preußen und die Provinz Brandenburg weist für Cammer und Öberjunne 1011 ha Fläche aus, davon immerhin 652 ha Wald. Die Daten des Besitztums blieben dann über viele Jahrzehnte stabil. Für 1914 nennt Heino von Brösigke das Rittergut Cammer und das nicht kreistagsfähige Gut Oberjünne sein Eigentum. Die Begüterung war damals gesamt 1070 ha groß. Es wurde nur eine kleine Landwirtschaft betrieben, im Vordergrund standen die Forsten. Als Verwalter fungierte Förster Goebel. Der Eigentümer selbst wohnte hauptsächlich in Berlin. Das letztmals genau vor der großen Wirtschaftskrise 1929/1930 veröffentlichte Brandenburgische Güteradressbuch führt die von Broesigk’sche Erben als Grundherren auf, Verwalter war noch immer Förster Goebel. Die Besitzung wurde weiterhin mit 1070 ha angegeben. Im Ort sind weiter größere Höfe, die des Hans Brätz mit 47 ha, die 34 ha des Julius Fischbeck, August Krause führt 44 ha als Eigentum, Friedrich Wendt 37 ha und Willi Wilke mit 33 ha Land.
Das Herrenhaus wurde 1949 bis 1950 abgetragen. Der Park umfasst noch heute 12 Hektar und besitzt einen umfangreichen Altbaumbestand mit zahlreichen Teichen und Inseln. Das Forst- und Gartenhaus, der Eiskeller und der Pferdestall sowie der Grabhügel, wo der 1911 in Cammer geborene Heino von Broesigke, 1996 als Letzter seiner Hauslinie begraben wurde, sind erhalten geblieben.
Bis zum Jahr 1815 war Cammer ein Grenzort. Entlang der Plane verlief die Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg. Drei unter Denkmalschutz stehende Grenzsteine erinnern noch daran.