Herrentuten

Herrentuten Cammer - Lebendige Traditionen 

Zehn Tage lang vor Weihnachten helfen Konfirmanden dem Christkind auf die Erde, in dem sie durchs Dorf gehen und durch Schalmeienklänge das Fest ankündigen. 


Zu Silvester erfolgt ein erneuter Rundgang mit Neujahrswünschen und dem Einsammeln von Gaben. Eine Interessengemeinschaft hat im Jahr 2019 den Antrag gestellt, das Herrentuten in die Liste des immateriellen Kulturerbes des UNESCO gestellt.

 

Das Tuten erinnert an die  früher überall tätigen Hirten. Das Vieh kam damals gemeinsam auf die Weide – und wurde dafür von den Hirten von den einzelnen Gehöften abgeholt. Die Besitzer der Tiere konnten so also ihren anderen Pflichten in Haus und Stall, auf dem Acker oder im Wald, nachgehen. Einige Monate vor Weihnachten hatten die Hirten für die Kinder des Ortes kleine Geschenke geschnitzt.

Neun Tage vor Heiligabend stellten die Kinder einen Teller vor die Tür, und die Hirten legten das Geschnitzte, sowie Äpfel, Nüsse und Honigkuchen darauf. Am Neujahrsabend holten sich die Hirten bei denen ihren Lohn ab, deren Vieh sie das ganze Jahr über gehütet hatten. Tutend zogen sie durch Cammer und traten mit einem Spruch in die Häuser. Im Laufe der Zeit änderten sich die Sprüche.

Nachdem es keine Hirten mehr gab, hat der Nachtwächter die Aufgabe übernommen. Danach schlief die Sitte ein. In Cammer belebte der Lehrer und Heimatforscher Franz Hönow die Tradition. Seit Anfang der 30er Jahre wurde wieder getutet. 

Cammer ist der einzige Ort, in dem das vorweihnachtlichen Hirten- oder Herrentuten noch aktiv betrieben wird.